Herbert Unterberger
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Durch die Siebziger-Pforte

Engelbert Obernosterer zum 70er seines Freundes Herbert Unterberger

Wer das Atelier des Bildhauers Herbert Unterberger in Kühwegboden bei Hermagor besucht, ist zuerst überweltigt von einer Vielfalt von eigenwilligen, teils skurilen Objekten, monumentalen Holzplastiken und perfekt geschliffenen Steinskulpturen unterschiedlicher Größe.

Ausgehend von den Knoten und Maserungen des Holzes oder dem Linienfluss des Marmors wird die naturgegebene Struktur weitergeführt und verdeutlicht, andere Formen entspringen, wie der Künstler erklärt, aus den wechselnden Lebensumständen, wobei die Gegensätze von figürlich gegen abstrakt, Dreieck gegen Kreis, rau gegen glatt die innere Dynamik veranschaulichen. Neben bemalten Reliefs ist auch, nachzublättern in mehreren Katalogen und Büchern, ein markantes malerisches und graphisches Werk entstanden. Einzelne Ausstellungen waren sogar in Ägypten und China zu sehen. Das Hauptgewicht seiner Arbeit liegt jedoch auf dem Monumentalen.
Nach dem Tod von Alfred Hrdlicka ist Herbert Unterberger, ein Schüler von Herbert Böckel, wohl der Letzte im Lande, der sich an große Steinskulpturen heran wagt. Die größte, eine fast fünf Meter hohe aus Marmor, steht in der Mitte eines Kreisverkehrs bei Viktring, eine überlebensgroße Hemma Statue kann im Hof des Klagenfurter Doms bewundert werden, aus einem Steinrelief am Gaildamm blickt der Heilige Nepomuk gegen die Möderndorfer Brücke... dies sind nur drei von unzähligen Werken, die in ganz Österreich verstreut an markanten Orten postiert sind. Impulse zu seinem Schaffen holt der Künstler sich immer wieder auf Wanderungen über Stock und Stein, wobei er Liniengeflechte in Bachsteinen ebenso als Anregungen aufnimmt wie die Formen der Gräser und Wurzeln.

Neuerdings fasziniert ihn die Metapher der „Pforte”. Offen und vieldeutig bleibt dabei, von woher der Durchschreitende kommt und wohin er geht. Eines frühen Morgens treibt ihn die Idee aus dem Bett, ohne Frühstück hinaus in den Arbeitsraum und erst abends bemerkt er, dass er den ganzen Tag über im Pyjama gearbeitet hat. Geworden ist es ein drei Meter hohes Holzobjekt aus abstrakten Teilflächen, unbrauchbar als Eingang zu bürgerlichen Wohnungen, dafür aber ein Zeichen des Willkommens in der Welt der geistigen Freiheit. Das Gailtal darf sich glücklich schätzen, einen Künstler von solcher Ausstrahlung zu beheimaten. Vor kurzem ging er eher leise durch die Pforte seines Siebzigers.




Über den Zusammenhang von Idol und innerer Notwendigkeit

Bilder kommen einem oft in den Sinn, während man an die Menschheit denkt: Bilder vom Monströsen, von titanischer oder dämonischer Kraft, Bilder mit gigantischen oder galaktischen Proportionen. Der 1944 geborene Herbert Unterberger hat sich mit seinem skulpturalen Wortschatz eine eigene geistige Dimension abverlangt, die das bildhafte bzw. plastische Ideal thematisiert. Mit "stummer Dichtkunst, einer Beredtheit des Schweigens" könnte man seine astral geformten Plastiken in Verbindung bringen. Wie wohl an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll, dass es auch ohne das Korsett der Tonalität geht!

Denn auch Skulpturen sind in der Lage die Seele in Vibration zu versetzten.

Es ist allgemein bekannt, dass die klassische Bildhauerei, insbesondere Themenkomplexe rund um das Idol, einen steten Bedeutungsverlust seit der Renaissance hinnehmen mussten, wobei dies durch den chronischen Missbrauch verschiedenster politischer Regime zu erklären ist. In Folge dieses Missbrauchs musste es zur Ersatzhandlungen kommen. Die Idole der Neuzeit entstammen Karrosserieschmieden, tragen Marken und Labels. Nur wenige Künstler waren tapfer genug sich der offensichtlichen Gefahr von Missgunst und Ausgrenzung zu stellen und wagten es, so wie Unterberger, das Idolhafte in ihre Arbeit einzubeziehen.

Der Kärnter Künstler Unterberger, der sich primär auf einer abstrakten Ebene aufhält schafft mit seinen Idolen beseelte Wesen, welche an einen modernen Irrationalismus bzw. an die Ausdruckskraft des eigenen seelischen Lebens des Künstlers erinnern. Mitunter ist der Betrachter geneigt in der Genese des skulpturalen Werkes an eine Gnostizismus Verbundenheit Unterbergers zu denken, da mit ihrem astralen Erscheinen auch Gedanken an Reinheit und Intellekt im Sinne neuzeitlicher Rationalität ins Spiel gebracht werden.


Dr. Karl A. Irsigler
Kurator im Museum moderner Kunst
Stiftung Ludwig Wien
im MuseumsQuartier






Steine für die Ewigkeit....

baut der Kärntner Bildhauer Herbert Unterberger. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste , unter anderem bei Prof. Herbert Boeckl , hat er sich als freischaffender Künstler wieder in Kärnten niedergelassen. Er lebt und arbeitet seit dem Ende der 60iger Jahre in Hermagor im Gailtal und hat mit seinen Werken an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen.

Studienreisen zu Künstlersymposien und Ausstellungsprojekten führten ihn bis nach China und Ägypten und haben seine kontinuierliche Arbeit an der dreidimensionalen Form ständig erweitert. Skulpturen aus Stein, aus vorwiegend heimischen Steinvorkommen wie dem Krastaler Marmor, dienen ihm neben Holz und Metall als Werkmaterial. Sein künstlerisches Bemühen um klare einfache Formen, um stringente Linienführung und Oberflächen- beschaffenheit hat ihn zu einem der bedeutendsten Bildhauer im Aple Adria Raum gemacht.

Meisterhaft bewältigt er den Sprung der Dimensionen von der kleinformatigen Statuette zu großen Plastiken im öffentlichen Raum. Das Spiel mit Form und Farbe manifestiert sich in der Verwendung verschiedener Materialien und dem Reiz der Struktur von Stein, Holz oder gegossener Bronze. Die Umsetzung einer künstlerischen Idee, eines Motives, gelingt ihm abstrakt oder konkret. Das Abbild der menschlichen Figur ist ebenso wie die Reduktion von Elementen der Natur eines seiner immer wiederkehrenden Themen.

Seine Werke sind Ausdruck einer inhaltlichen Vision und beeindrucken den Betrachter durch ihre geschlossenen Kompositionen, die auch ein freies Gedankenspiel der Assoziationen zulassen. " Alles in der Natur formt sich nach Kegel, Kugel und Zylinder" hat Paul Cezanne zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon festgestellt, und dieser Gedanke drängt sich auch beim Betrachten der Skulpturen von Herbert Unterberger auf.

Klarheit und Eleganz sind die vorherrschenden Aspekte seiner künstlerischen Arbeit. Als zeitgenössische Monumente stehen seine Plastiken im öffentlichen Raum und im Privatbesitz und tragen künstlerische Botschaften - die die Zeit überdauern - in sich.


Mag. Ulli Sturm
Kunstverein Kärnten

 

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